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LME verteidigt Entscheidung zur Stornierung von Nickelgeschäften
​Die Londoner Metallbörse (LME) hat ihre Entscheidung verteidigt, im März Nickelgeschäfte im Wert von 20 Milliarden US-Dollar zu stornieren. Dieser Schritt war nach LME-Ansicht notwendig, um eine "Todesspirale" zu vermeiden und einen geordneten und funktionierenden Markt zu erhalten. Der Stornierung vorausgegangen war ein Preisanstieg auf mehr als 100.000 US-Dollar pro Tonne Nickel. Die LME gab nun eine Stellungnahme zu den Ereignissen von Anfang März ab, als ein Short Squeeze die Preise innerhalb eines Tages um mehr als 250 Prozent in die Höhe trieb. In einem Schriftsatz, in dem die Metallbörse ihre Verteidigung gegen Klagen von Elliott Investment Management und Jane Street Capital darlegte, erklärte die LME, dass der LME-Nickel-Terminmarkt am Morgen des 8. März "extreme und beispiellose Handelsbedingungen" erlebte: Innerhalb von zwei Stunden stiegen die Preise von 50.000 US-Dollar pro Tonne auf mehr als 100.000 US-Dollar an, bevor sie wieder auf 75.000 US-Dollar zurückfielen. "Nach Ansicht der LME-Experten war der Markt in Unordnung geraten", so die Börse. Wenn diese Unordnung als Marktwert dargestellt worden wäre, hätte dies dazu geführt, dass alle offenen Marktpositionen neu bewertet worden wären, was zu beispiellosen zusätzlichen Nachschussforderungen in Höhe von mindestens 20 Milliarden US-Dollar geführt hätte - was wahrscheinlich den Ausfall mehrerer LME-Mitglieder zur Folge gehabt hätte, wie die LME erklärte. Die Situation sei ernst gewesen und habe sofortiges Handeln erfordert, da sie gravierende negative Auswirkungen auf die realen Nutzer und Produzenten von Metallen gehabt hätte, hieß es. Am 8. März waren die Nickelpreise an der LME in die Höhe geschossen, nachdem ein vom chinesischen Metallriesen Tsingshan Holding Group Co angeführter Short Squeeze die Preise nach oben getrieben hatte. Broker von Tsingshan, die zunächst auf niedrigere Preise gewettet hatten, beeilten sich, ihre Marktpositionen aufzugeben, indem sie mehr Nickel kauften, nachdem die Preise begannen, sich nach oben zu bewegen. Dadurch entstand ein Zyklus, der den Nickelpreis immer weiter in die Höhe trieb. Wie Adrian Farnham, der damalige Geschäftsführer des LME-Clearinghauses, erklärte, hätten die vom Ausfall bedrohten Mitglieder zu weiteren Ausfällen geführt, was er als "Todesspirale" bezeichnete. Der Versuch, diesen Ausfällen zu begegnen, hätte demnach die Situation nur verschlimmert. Wären die Geschäfte aufrecht erhalten worden, hätte dies "ein unmittelbares und ernsthaftes Systemrisiko für den Markt bedeutet". Die LME erklärte, sie habe die Entscheidung, den Nickelhandel auszusetzen, erst am 8. März getroffen. Dabei habe die Börse sichergestellt, dass keine Handelsaktivität, die nach Mitternacht am 7. März auf dem LME-Nickelmarkt stattgefunden habe, zu einem verbindlichen Vertrag gemäß den LME-Regeln führte. Die Börse sei regulatorisch verpflichtet, in Ausnahmefällen den Handel zu annullieren, so die LME. Die Metallbörse wisse jetzt, dass große außerbörsliche Over-The-Counter (OTC)-Positionen, einschließlich der von Tsingshan gehaltenen, wesentlich zu den Unruhen auf dem Markt beigetragen hätten. Zum damaligen Zeitpunkt habe sie dies aber nicht gewusst, so dass die Interessen dieser Parteien keinen Einfluss auf ihre Entscheidung gehabt hätten, die Geschäfte zu annullieren. "In den Unterlagen der LME zu den Ereignissen vom März 2022 auf dem Nickelmarkt sind alle Einzelheiten ihrer Entscheidungsfindung dargelegt und die erheblichen Konsequenzen erläutert, die sich für den gesamten Markt ergeben hätten, wenn sie nicht die von ihr ergriffenen Maßnahmen umgesetzt hätte", so ein LME-Statement. "Die LME bleibt dabei, dass die Beschwerdegründe von Elliott und Jane Street unbegründet sind und auf einem grundlegenden Missverständnis der Situation am 8. März und der von der LME getroffenen Entscheidungen beruhen. Alle am 8. März getroffenen Maßnahmen waren rechtmäßig und wurden im Interesse des gesamten Marktes getroffen. Die LME wird sich weiterhin energisch gegen diese Verfahren zur Wehr setzen", erklärte die London Metal Exchange. MBI/DJN/gil/29.11.2022
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MBI NE-Metalle-Prognose/Modellprognosen auf Sicht von vier Wochen optimistisch
"Im Leben geht so mancher Schuss daneben." Dieser alte Schlager trifft nicht nur auf so manchen Torversuch bei der Fußball-WM in Katar zu, sondern auch auf manche Modellprognose. So gingen die Vorhersagen der quantitativen Modelle von MBI Research vor zwei Wochen davon aus, dass bei den sechs wichtigsten NE-Metallen an der LME die Notierungen in den 10 Handelstagen zum 18. November nur bei Nickel und Zink die Notierungen steigen sollten. In den anderen vier NE-Metallen sollte es teils deutlicher nach unten gehen. Doch in allen Fällen legten die Notierungen zu. Nickel übertraf zwar zwischenzeitlich mit einem Anstieg bis auf 31.275 US-Dollar je Tonne das Preisziel bei weitem, aber es ging dann auch wieder kräftig nach unten, sodass per Saldo das Preisziel nicht erreicht wurde. Zink stieg hingegen über die Zielmarke hinaus. Für die Prognosen der Preisentwicklung in den beiden Wochen zum 2. Dezember hat dies zur Folge, dass es bei Nickel zu einer Revision nach unten kommt. Bei den anderen fünf NE-Metallen erfolgen hingegen Anhebungen der Vorhersagen. In den darauffolgenden zwei Wochen zum 16. Dezember sollten die Notierungen bei Aluminium nachgeben, während die Preise bei den 3-Monats-Forwards in den restlichen fünf NE-Metallen an der LME zulegen sollten. Der Vergleich über vier Wochen dürfte demnach jedoch bei allen sechs Metallen positiv ausfallen.  Der Rückzug Russlands aus Cherson hat zwar bei der Ankündigung durch das russische Verteidigungsministerium unmittelbar zu einem kräftigen Preisanstieg geführt. Dies wäre jedoch für die Prognose der Preisentwicklung kein Thema, denn mit den geäußerten Zweifeln seitens der Ukraine gaben die Notierungen auch schnell wieder nach. Bemerkenswert ist jedoch die Aussage von Händlern, dass Computerprogramme massive Kaufaufträge erteilt hätten, welchen nur eine geringe Abgabebereitschaft gegenüber stand. Preisausschläge wegen reduzierter Marktliquidität Dahinter steht ein Ansatz des Computerhandels, der die elektronischen Nachrichten von Agenturen wie Bloomberg oder Reuters/Refinitiv nach bestimmten Wörtern durchsucht, und je nach Einstufung, ob diese Wörter bullish oder bearish sind, werden dann Kauf- oder Verkaufsaufträge generiert. Dies führt nicht selten zu Fehlinterpretationen, weil der Hintergrund von der Software nicht verstanden wird. Außer einer Erhöhung der Volatilität bleibt dann wenig übrig. Die Folge kann sein, dass sich Marktteilnehmer zurückziehen und die Marktliquidität abnimmt, was dann noch kräftigere Preisausschläge zur Folge haben kann.  Dies zeigte sich beispielsweise bei Nickel im November. Zwei Faktoren sorgten hier für Kaufinteresse, welches zu einem Anstieg des Preises für den 3-Monats-Forward von 21.700 US-Dollar je Tonne am 31. Oktober bis auf 31,275 US-Dollar am 15. November führte – ein Plus von 44,1 Prozent innerhalb von zwei Wochen. Zum einen erfolgte eine kräftige Nachfrage nach Nickel aus China, um sich mit dem Metall vor dem Fälligkeitstermin der Futures an der SHFE und der LME einzudecken.  Zum anderen verkündete die LME, dass sie keinen Bann gegen Metall aus Russland verhängen wird. Hierdurch entfällt auch der Druck von Haltern des Metalls mit russischem Ursprung, sich kurzfristig von den Beständen trennen zu müssen. Doch die Ankündigung der LME, den Anstieg der Volatilität bei Nickel zu untersuchen, sowie der abrupte Kaufstopp seitens chinesischer Adressen nach dem letzten Handelstag des November-Futures sorgten dann auch für wieder kräftig fallende Preise. Diese Faktoren sind jedoch von einem quantitativen Modell schwerlich vorherzusehen.  Auch diese Prognose kommt nicht umhin, die Politik der Fed zu behandeln. Bei der Sitzung des FOMC im November kam es wie erwartet zu einer weiteren Erhöhung des Leitzinses um 75 Basispunkte auf 4,0 Prozent für das obere Ende des Zielbands.  Fed-Chairman Powell deutete an, dass es bei der nächsten Sitzung auch zu einer geringeren Zinserhöhung kommen könnte. Aber dies wird von den weiteren Wirtschaftsdaten abhängen. Der US-Dollar schwächte sich von 0,9728 bis auf 1,0480 gegenüber dem Euro ab. Der chinesische Yuan konnte ebenfalls gegenüber dem US-Dollar aufwerten, von 7,327 bis auf 7,061 Yuan pro US-Dollar. Dies wirkte sich auch positiv auf die NE-Metallpreise aus. Sollte die Fed im Dezember den Leitzins um 75 Basispunkte anheben, dann würde für das kommende Jahr nur noch wenig Spielraum bestehen. Ferner würde dann der reale Zielsatz noch immer im negativen Bereich liegen. Die US-Inflationsrate müsste also in den kommenden Monaten rapide nach unten gehen. Deshalb gibt es auch weiterhin im FOMC eine Reihe von Falken, die stärkere Zins-erhöhungen präferieren. Von daher kann es auch weiterhin zu Phasen kommen, in denen sich der US-Dollar wieder befestigt und die NE-Metallpreise belastet. Nach dem schwächeren Start in den Monat November sind beim S&P 500 die Kurse wieder nach oben gegangen und haben das Hoch des Vormonats überschritten. Auch hier spielt die Erwartung, dass von der Fed keine größeren Belastungen mehr ausgehen sollten, eine erhebliche Rolle. Aber auch saisonale Verlaufsmuster tragen zur positiven Stimmung am US-Aktienmarkt bei. Bei den Wahlen in den USA zur Mitte der Präsidentschaft konnten die Demokraten zwar den Senat verteidigen, aber verloren die Mehrheit im Repräsentantenhaus an die Republikaner. Präsident Biden wurde hierdurch zu einer lahmen Ente und wird Gegenstand von Untersuchungen im Repräsentantenhaus sein. Für die Aktiennotierungen waren aber die letzten beiden Amtsjahre eines Präsidenten in dieser Konstellation unterschiedlicher Mehrheiten in der Regel positiv. Dies liefert auch den NE-Metallen eine Unterstützung.  Coronamaßnahmen in China sind weiterhin belastend Auch das Thema Covid-19 in China sorgt immer wieder für neue Wendungen bei der Entwicklung der NE-Metallpreise. So verkündete China einige Erleichterungen wie kürzere Quarantänezeiten, die jedoch nur kurzfristig die Preise unterstützten. Insgesamt sind die Fallzahlen in China bei den Neuinfektionen mit dem Coronavirus auf einen neuen Rekord gestiegen. Dies wiederum hat die NE-Metallpreise belastet, da der Markt mit einer weiteren Verlangsamung des chinesischen BIP-Wachstums und der NE-Metallnachfrage rechnet.  Mit einem Anstieg von fast 600 auf 8.140 US-Dollar je Tonne brach der 3-Monats-Kontrakt auf Kupfer an der LME am 4. November aus seiner Seitwärtsphase des Vormonats nach oben aus. Dieser Ausbruch setzte auch technische Käufe frei, welche die Rally verstärkten. Nach einer kurzen Konsolidierung ging es dann in der zweiten Novemberwoche weiter nach oben, bis auf ein Hoch von 8.600 US-Dollar. Doch nun setzte eine kräftigere Korrektur ein.  Aber auch die Entwicklung der Lagerbestände sorgte für Verkaufsdruck bei Kupfer in der dritten Novemberwoche. Die Vorräte in den LME-Lagerhäusern erreichten am 10. November ein neues Tief mit 77.875 Tonnen und stiegen auf zuletzt wieder 91.525 Tonnen. Da die „cancelled warrants” stark abnahmen, sind die frei verfügbaren Vorräte seit dem Ende des Vormonats von 43.650 auf 76.125 Tonnen gestiegen. Auch in den SHFE-Lagerhäusern verbesserten sich die Bestände. Die wieder reichlichere Verfügbarkeit hat dazu geführt, dass die Prämie für den Kassapreis gegenüber dem 3-Monats-Forward von 72,50 US-Dollar je Tonne um Oktoberultimo zu einem Abschlag von 37,25 US-Dollar wurde. Auch dies lieferte ein negatives Signal für die Kupferpreise. +++Peter Fertig/MBI Research
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