Top-Nachricht:

MBI Research Stahlprognose/Modelle schätzen Aussichten bei Flachstahl positiv ein
Schon Anfang September waren die Prognosen der quantitativen Modelle von MBI Research für die Preise bei Flachstahl schon deutlich zuversichtlicher als im August und gingen nur noch von Abschlägen von bis zu 4 Prozent bei Warmbreitband aus. In den vergangenen zwei Wochen hat sich diese Einschätzung noch weiter verbessert, denn für den Prognosehorizont von sechs Wochen, also bis Anfang November, wird nur noch bei Warmbreitband ein leichtes Minus von einem Prozent erwartet, während sich Feinblech leicht um ein Prozent verteuern sollte. Für die Modellprognosen spielen die Entwicklungen der chinesischen Exportpreise eine Rolle, allerdings gab es hier bei Flachstahl doch eine deutliche Divergenz in den vergangenen beiden Wochen. Denn bei Warmbreitband kam es zu einem weiteren Rückgang um 3,2 Prozent, während der Exportpreis in China für Feinblech um knapp 1,0 Prozent nach oben ging. Der zweite Faktor sind die Produktionskosten über die klassische Hochofenroute, die nach dem Indikator von MBI Research in den beiden Wochen zum 16. September um 0,8 Prozent gestiegen sind. Die Preisentwicklung in den vergangenen beiden Wochen spricht durchaus dafür, dass sich die Entwicklung bei Flachstahl stabilisieren könnte. Allerdings war auch die Volatilität recht hoch. Doch bei Warmbreitband ging es in zwei kräftigen Schritten um insgesamt 12,7 Prozent auf 791 Euro je Tonne (alle Preis sind ex Werk) nach oben. Bei Feinblech kam es zunächst ebenfalls zu einem kräftigen Preisanstieg von 835 auf 895 Euro. Aber in der Vorwoche gab der Preis noch stärker auf 820 Euro nach, was per Saldo im Vergleich über zwei Wochen einen Rückgang um 1,8 Prozent bedeutet. Ob sich ein tragfähiger Boden bildet, wird sich jedoch erst noch erweisen müssen. Die Wirtschaftsvereinigung Stahl berichtete für August einen weiteren Rückgang der Stahlerzeugung in Deutschland um 1,8 Prozent gegenüber dem Vormonat auf nun unter 2,9 Millionen Tonnen. Im Vorjahresvergleich lag die Stahlerzeugung jedoch um lediglich 2,3 Prozent niedriger. Angesichts der Entwicklung des Auftragseingangs spricht dies nicht dafür, dass Flachstahl nun zu einem Verkäufermarkt wurde. Allerdings ist nicht ausgeschlossen, dass es mit dem Ende der Sommerferien zu einem kurzen Strohfeuer bei der Stahlnachfrage mit entsprechender Preisreaktion kam. Massiv gedreht hat sich hingegen die Einschätzung der quantitativen Modelle für die Aussichten bei Langstahl im deutschen Markt. Hier lagen die Prognosen zum Monatsanfang noch bei Preissteigerungen zwischen 11 Prozent bei Betonstahl und 14 Prozent bei Walzdraht. Doch nach der jüngsten Prognose stellen die Modelle nun einen Preisrutsch um 8 Prozent bei Betonstahl und um 9 Prozent bei Walzdraht in Aussicht. Die chinesischen Exportpreise sind hier jedoch nicht ein Faktor, der stärker ins Gewicht fallen würde. Im Vergleich über zwei Wochen gingen sie bei Betonstahl um lediglich 0,2 Prozent, jedoch bei Walzdraht etwas deutlicher um 1,3 Prozent zurück. Der wesentliche Faktor für die nun pessimistische Einschätzung sind die Produktionskosten. Der Index von MBI Research für die Kosten der Stahlproduktion über dem elektronischen Lichtbogen brach im Zwei-Wochen-Vergleich um 13,1 Prozent ein. Die aktuelle Preisentwicklung bei Langstahl passt durchaus zu den früheren Voraussagen. Denn in den beiden Wochen zum 16. September stieg der Preis für Betonstahl B500A auf 986 Euro pro Tonne, was ein Plus von 3,6 Prozent bedeutet. Leicht höher war die Teuerungsrate bei Walzdraht, der um 3,9 Prozent auf 1.068 Euro nach oben ging. Bei Langstahl hat sich bestätigt, dass der Fall der Profitabilität, der Index von MBI Research lag hier zum Monatsanfang im negativen Bereich, die Stahlproduzenten veranlasst, einen Fall der Produktionskosten nicht an die Käufer weiterzugeben. Die Priorität hatte die Rückkehr in den positiven Bereich, was inzwischen gelungen ist. Aber nun dürfte es auch schwieriger werden, Kostenentlastungen nicht weiter zu geben. Der Auftragseingang im Bausektor lag im Juni deutlich unter dem Vorjahreswert. Die EZB hebt die Zinsen weiter an, was sich auch in den Zinsen für Hypothekenkredite schon spürbar bemerkbar machte. Dies spricht eher für eine verhaltene Stahlnachfrage aus diesem Sektor, was die Spielräume für höhere Preise begrenzt. Bei den Produktionskosten ist ebenfalls mit einer Stabilisierung zu rechnen. Deshalb dürfte auch auf mittlerer Sicht die Preisentwicklung seitwärts gerichtet bleiben. Die ersten Daten zur wirtschaftlichen Aktivität sind die Umfragen unter Finanzinvestoren in der Eurozone. Den Anfang bei den Veröffentlichungen macht üblicherweise der Sentix-Index, bei dem auch Privatanleger befragt werden. Der Index für September fiel von -25,2 auf -31,8 Punkte und somit um 5,0 Punkte stärker als vom Konsens der Bankvolkswirte erwartet wurde. Beim ZEW-Index erfolgt die Umfrage ausschließlich bei Profis der Finanzbranche, wobei hier neben Fondsmanager auch Volkswirte und Analysten an der Erhebung teilnehmen. Für Deutschland brach der ZEW-Index von -55,3 auf -61,9 Punkte ein und sackte für die Eurozone von -54,9 auf -60,7 Punkte ab. In beiden Fällen ging es stärker als vom Konsens erwartet nach unten. Sowohl für Deutschland als auch für die Eurozone liegt der ZEW-Index nun auf dem tiefsten Stand seit der Finanzkrise in 2008. Die Finanzmärkte schätzen also die Wirtschaftsaussichten weitaus pessimistischer als die Politik ein. Dies spricht dafür, dass eine Belebung der Stahlnachfrage nicht zu erwarten ist. Vielmehr dürfte der Auftragseingang weiter nachgeben, was den Angebotsüberhang noch verstärken sollte. In China hält bei Eisenerz die Seitwärtsbewegung weiter an. Mal schöpft der Markt kurz Hoffnung, dass es mit der Wirtschaft und der Stahlerzeugung wieder aufwärts gehen sollte, doch schnell kippt dann auch die Stimmung. Deshalb kommt es auch bei den SHFE-Futures auf Rebar zu einer Seitwärtsbewegung, wobei die Notierungen in den letzten Tagen wieder nach unten gingen. Dabei sind die Wirtschaftsdaten zwar nicht bullish, aber auch nicht so schlecht, wie sie am Stahlmarkt öfters interpretiert werden. Die Industrieproduktion im August legte beispielsweise im Vorjahresvergleich um 4,2 Prozent zu, was über der Konsensprognose der Bankvolkswirte von 3,8 Prozent lag. Auch der Einzelhandelsumsatz beschleunigte sich von 2,7 auf 5,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Doch der Markt fokussierte sich auf Daten zum Bausektor. Die Bauinvestitionen haben sich im Vorjahresvergleich weiter verschlechtert. Aber im September haben auch Kommunen versprochen, die Fortführung von Bauten aufzunehmen und sie fertigzustellen. Dies sollte den Immobiliensektor stabilisieren, aber es reichte nur für einen Tag zu höheren Notierungen bei Rebar und Eisenerz aus. Die Fed hat mit ihrer Zinspolitik durchaus auch Auswirkungen für die Stahlpreise. Aber nicht etwa weil hierdurch eine Rezession in den USA drohen würde. Die realen Geldmarktzinsen in den USA sind noch immer weit im negativen Bereich. Aber die Fed stärkt hierdurch den US-Dollar, was in Emerging Markets zu Kapitalabflüssen führt. Dies wiederum spielt auch für die Produktionskosten in Europa eine Rolle. Die Abschwächung des Euro bremst den Rückgang und verstärkt den Anstieg bei den Schwankungen von Eisenerz an der Singapore Exchange, der internationalen Benchmark. Aber zu den Emerging Markets zählt auch die Türkei. Die Schwäche der Lira ist nun keine neue Entwicklung. Doch mit der Flucht der Investoren aus den Emerging Markets in den sicheren Hafen US-Dollar kann die Lira keine Wettbewerbsvorteile gegenüber anderen Ländern erzielen. Dies hat Folgen für die Nachfrage nach Stahl aus der Türkei. Deshalb müssen die türkischen Produzenten auch bei den Inputkosten versuchen die Wirkung der US-Dollaraufwertung zu neutralisieren, indem sie die Preise für Stahlschrottimporte zu drücken versuchen. Nach eine Phase der Stabilisierung stehen nun die türkischen Importpreise (HMS 1&2, 80:20, CFR) wieder unter Druck. Sie verloren in den vergangen zwei Wochen um 6,6 Prozent auf 341 US-Dollar je Tonne, liegen allerdings noch über dem Tief von Anfang August. Noch wichtiger für die Produktionskosten ist jedoch die Entwicklung der Strompreise. Ein wichtiger Indikator für die Kostenentwicklung ist der Preis für Strom in der Grundlast mit Lieferung im folgenden Kalenderjahr. Seit dem Hoch bei 1.050 Euro je Megawattstunde am 29. August fiel der Preis bis auf 456 Euro, was einen Einbruch um 56,6 Prozent bedeutet. Allerdings hat sich seither der Kurs auch wieder etwas bis auf 555 Euro in der Spitze erholt. Ziel der Politik ist es, den Preis weiter zu drücken, und den Einfluss der Gaspreise durch dirigistische Sparmaßnahmen einzudämmen. Allerdings zeigt auch die Seitwärtsphase, dass der Spielraum für weiter fallende Strompreise eher begrenzt sein dürfte. Dies wäre dann auch für die EAF-Produktionskosten ein Faktor, der gegen kräftige Kostensenkungen spricht. Die Modellprognosen für Langstahl sind wohl zu pessimistisch. Peter Fertig/MBI Research
Weiterlesen…
Deutsche Bank/"Aurubis in Energiekrise besser positioniert als angenommen"
Der Kupferkonzern Aurubis ist in der Energiekrise offenbar besser positioniert als viele annehmen. Diesen Schluss zieht die Deutsche Bank. Die Energiekrise und ihre möglichen Implikationen stand nach Angaben von Analysten im Mittelpunkt der Diskussionen bei einem von der Deutschen Bank organisierten Anlegertreffen von Aurubis. Der Kupferproduzent sei gut gegen Gegenwind bei der Stromversorgung gewappnet, da der größte Teil der Positionen abgesichert sei. Etwa 50 Prozent des Bedarfs von rund 2 Terawatt entfalle auf Deutschland und sei Teil eines mehrjährigen Vertrags mit Vattenfall, hieß es. Die aktuellen Spotkonditionen dürften in den Kosten für das dritte Quartal bereits weitgehend abgebildet sein, so die Analysten. Netto bestehe eine Abhängigkeit von den Spotstrompreisen von etwa 10 bis 15 Prozent. Weitere 25 Prozent trage Bulgarien zum Stromverbrauch von Aurubis bei. Da die Preise nach der örtlichen Regelung gedeckelt sind, sehen die Analysten allerdings eine Änderung nach den Wahlen im Oktober 2022 als ein mögliches Risiko an. Der verbleibende Verbrauch teile sich weitgehend auf zwei belgische Anlagen in Olen und Beerse auf, von denen eine voll abgesichert sei und eine von den Spotmärkten abhänge. MBI/DJN/gil/20.9.2022
Weiterlesen…

Flachstahl

Aktuell

Eisenerz/Stahlrohstofff setzt Aufwärtstrend fort
An den asiatischen Rohstoffmärkten hat der Stahlrohstoff Eisenerz seinen ...
Sanjeev Gupta/Wirtschaftsprüfer treten im britischen Stahlgeschäft zurück
King & King, die langjährige Wirtschaftsprüfer von Sanjeev Gupta, ...
Argentinien/Glencore erwirbt Newmonts Anteile am Mara-Projekt
Die Newmont Corp. verkauft ihre Minderheitsbeteiligung an einem ...
MBI Research Stahlprognose/Modelle schätzen Aussichten bei Flachstahl positiv ein

Aluminium

Meistgelesene Artikel

Stahlindustrie fordert Tempo bei Eindämmung der Energiekosten
Die deutsche Stahlindustrie hat begrüßt, dass Europäische ...
300 bis 500 Euro pro Tonne/Stahlproduzenten setzen Energiezuschlag fest
Die EU-Stahlerzeuger sehen sich mit einem hohen Anstieg der Energiekosten ...
Hohe Energiepreise/ArcelorMittal fährt zwei Anlagen in Deutschland herunter
Die stark gestiegenen Energiepreise belasten beim Branchenschwergewicht ...

Fragen & Hilfe

MBI EnergySource

Login

Bitte loggen Sie sich mit Ihren Zugangsdaten ein.

E-Mail Adresse
Passwort

Kaufen/Testen

bequem & sicher
kostenlos & unverbindlich testen!
MBI MetalSource

MBI Martin Brückner
Infosource GmbH & Co. KG

Rudolfstraße 22-24
60327 Frankfurt
Telefon +49 (0) 69 2710760-11
Telefax +49 (0) 69 2710760-22
service@mbi-infosource.de